2026: Leverkusener Denkmäler zum Thema "NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur"

Netzwerke des Deutschen Ordens in Leverkusen

Auch auf dem Stadtgebiet des heutigen Leverkusen findet man bauliche Zeugnisse des Deutschen Ordens. Nachdem Adolf von dem Bongart zu Heyden, Landkomtur der Ballei Koblenz, um 1600 seinen Sitz nach Köln zur dort seit 1218 bestehenden Kommende St. Katharina verlegte, wurden auch immer mehr Höfe, Rittersitze und Ländereien im Umland erworben. Dies geschah zum einen, um den Orden durch den Verkauf von Überschüssen aus den Erträgen finanziell zu unterstützen, zum anderen um in den Wäldern und den Ländereien der erworbenen Güter der Jagd nachzugehen. Häufig kaufte man marode Anlagen, bei denen anschließend die Herrenhäuser erneuert wurden. 

So wurden 1619 das Gut Morsbroich und 1666 der Rittersitze Schlebusch erworben. Zu Schlebusch gehörte noch eine heute nicht mehr existierende Zwangsmühle. Wahrscheinlich ebenfalls mit einer Mühle ausgestattet war die 1682 erworbene Doktorsburg in Wiesdorf. Der Kauf des Rittersitzes Steinbüchel 1724 beendete die Käufe des Ordens auf Leverkusener Gebiet.  

Eine Sonderstellung in diesen Besitztümern nahm das Haus Morsbroich ein. Dieses wurde von den Komturen gelegentlich als Repräsentationsobjekt genutzt. Besondere Bedeutung erlangte es aber erst durch den Landkomtur Ignaz Felix von Roll. Nach dem Tod seines Gönners, dem Kurfürsten Clemens August von Bayern, Hochmeister des Deutschen Ordens von 1732 bis 1761, benötigte er langfristig eine neue repräsentative Residenz. Nach dem Verkauf des Clemenshofs in Bonn, auf dem er vermutlich nach seiner Zeit auf Schloss Brühl wohnte, ließ er das alte, mittlerweile stark heruntergekommene Hauptgebäude von Morsbroich 1772 abreißen und einen Neubau errichten. Dieser war in Stil des Brühler Jagdschlosses Falkenlust gestaltet und sollte bis 1792 der Alterssitz von Rolls werden. 

Die Besitztümer Morsbroichs vermehrten sich nach 1803 kurzfristig enorm, da der Orden durch die Säkularisation seiner linksrheinischen Güter entschädigt wurde und mehrere Höfe auf dem Stadtgebiet zugesprochen bekam. Diese gingen jedoch durch den Sieg Napoleons und den folgenden Bestimmungen des Friedens von Preßburg genau wie die ursprünglichen Besitztümer 1805 endgültig verloren. 

Nachfolgende Leverkusener Denkmäler werden 2026 im Rahmen von Busrundfahrten und Besichtigungen vor Ort als "Netzwerke des Deutschen Ordens in Leverkusen" zum Thema "NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur" vorgestellt.

Schloss Morsbroich

Alkenrath, Gustav-Heinemann-Str. 80

Das heutige Schloss Morsbroich geht in seinem Ursprung auf den Typus der sogenannten festen Häuser zurück, die als befestigte Sitze der Lehensleute der bergischen Grafen fungierten. Schriftliche Erwähnung findet erstmals 1328 ein Johannes gen. Moir von dem Broiche. 

In der Mitte des 15. Jahrhunderts kommt Morsbroich an die bergische Adelsfamilie von Zweiffel. Durch verschiedene Verkäufe geht der Besitz durch die Hände der Familien von Ossenberg, von Hall zu Ophoven und von Elverfeldt. Caspar von Elverfeldt und seine Frau Elisabeth von Hall verkaufen 1619 das Haus mit den dazugehörigen Ländereien für 20.000 Taler an den Deutschen Orden. Landkomtur der Ballei Koblenz ist Adolf von dem Bongard zu Heyden. 1692, zur Zeit des Landkomturs Karl Goswin Adolph von Nesselrode-Ehreshoven, werden neue Wirtschaftsgebäude im Bereich der Vorburg angelegt. Sein Wappenstein mit Inschrift ist dort heute noch zu sehen.  

Felix von Roll zu Bernau, der zu seiner Amtszeit am Hof des Kurfürsten und Hochmeister des Ordens Clemens August verweilt, muss sich nach dessen Tod auch räumlich neu orientieren. Nach einer Zeit in Bonn auf dem Clemenshof wird Morsbroich für ihn als standesgemäßer Alterssitz interessant. Aus diesem Grund nimmt 1762 der Landmesser Franz Ehmans alle zu Morsbroich gehörenden Ländereien auf. Die Karte zeigt als einzige Quelle den Grundriss und die Ansicht der spätmittelalterlichen Burganlage. 

Zwischen 1772 und 1774 lässt von Roll das marode Haus abreißen und als Maison de Plaisance im Rokokostil neu errichten. Hier verbringt der Landkomtur bis zur Abgabe des Komtursamtes 1792 seine restliche Amtszeit. Er lässt einen englischen Garten anlegen und züchtet Vögel und seltene Fasane. Im Haus zeugte ein Spielzimmer, in dem 30 Glasvitrinen mit ausgestopften Vögeln untergebracht waren, von seiner Leidenschaft.  

1792 übernimmt Karl Franz Friedrich Freiherr Forstmeister zu Gelnhausen das Amt, der Sitz des Landkomturs wechselte wieder. Durch die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und Preußen und dem Vormarsch der französischen Truppen wird das linksrheinische Gebiet besetzt, die völkerrechtliche Anerkennung erfuhr die Annexion des linken Rheinufers schließlich im Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801. Nach dem Verlust der linksrheinischen Ordensgüter wächst der Landbesitz von Morsbroich durch die Ausgleichsentschädigungen enorm an, durch die Regelungen des Friedens von Preßburg verliert der Deutsche Orden allerdings seinen kompletten Besitz. 1806 wird das ehemalige Herzogtum Berg Teil des gleichnamigen Großherzogtums, das Napoleon I. für seinen Schwager Joachim Murat bildet. Der neue Großherzog wiederum schenkt die vor allem aus dem Besitz säkularisierter geistlicher Institutionen geschaffene Grafschaft Morsbroich 1807 seinem Finanzminister Jean Antoine Michel Agar. 

Durch die Übernahme des Rheinlandes durch Preußen im Zuge der politischen Neugliederung auf dem Wiener Kongress 1814/15 verkauft Agar den Besitz 1817 an den Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen. 1848 veräußert dessen Witwe Morsbroich an den Schaaffhausenschen Bankverein, dieser wiederum 1857 an den Kommerzienrat Friedrich Diergardt. Die Familie lässt das Hauptgebäude zwischen 1885 und 1887 durch den Kölner Architekten und Baurat Hermann Pflaume umbauen und um die seitlichen Flügel erweitern. Weiterhin werden im Umfeld des Schlosses heute nicht mehr existierende Bauten wie Forsthaus, Fasanerie und ein großes gläsernes Palmenhaus errichtet. 

Nach der Einrichtung eines Museums 1951 folgt 1974 der letzte Eigentumswechsel, jetzt an die Stadt Leverkusen. Diese lässt das Haus zwischen 1982 und 1985 von Grund auf sanieren. Der Plan, die Vorburg durch einen Neubau zu ersetzen, wird nicht ausgeführt, stattdessen werden in den folgenden Jahren auch die alten Wirtschaftsgebäude saniert und einer neuen Nutzung zugeführt.  

Heute zeigt sich das Hauptgebäude als zweigeschossiger Putzbau in neun Achsen. Den Hauptbaukörper begrenzt rechts und links ein jeweils dreiachsiger Kopfbau. Das Gebäude steht auf einem verputzten Sockel, das Mansarddach ist im unteren Bereich ausgebaut und wird über Dachgauben belichtet. Der achsensymmetrisch aufgebaute Grundriss wird über eine mittig liegende zweiläufige Treppe erschlossen. Dieser Eingangsbereich ist leicht vorgezogen und mit einem wappenverzierten Giebeldreieck überdeckt. Die Vorburg ist eingeschossiger Putzbau mit Satteldach, der sich rechts und links der Eingangssituation des Hauptportals entlangzieht. 

Gezelinkapelle

Alkenrath, Alkenrather Str. 1

Bereits im 15. Jahrhundert ist eine Kapelle in der Nähe der Quelle erwähnt, die nach einer Legende der Altenberger Mönch Gezelinus im 12. Jahrhundert geschlagen haben soll. Nach der Zerstörung dieser im Dreißigjährigen Krieg soll an der Stelle ein Heiligenhäuschen errichtet worden sein. 

1659 lässt Landkomtur Heinrich Freiherr von Reuschenberg und Setterich eine neue Kapelle bauen, sein Wappen ist an der heutigen Kapelle noch erhalten. Jobst Mauritz von Droste zu Senden fördert die Gezelin-Wallfahrt durch die Herausgabe eines Pilgerbüchleins. 1730 scheint er auch einen Altar gestiftet zu haben, dessen Vorderseite mit einem Deutsch-Ordens-Kreuz bemalt war. Den Altaraufbau schmückt heute noch sein Wappen. Aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen auch die sieben Fußfallstationen, die in der Umgebung der Kapelle aufgestellt wurden und ebenfalls das Deutschordenskreuz zeigen. 

1864 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit bis auf die Bruchsteinmauern niedergelegt werden. Der Weihe des Neubaus erfolgte 1868. 

Die Kapelle zeigt sich heute als kleiner, zweijochiger Backsteinbau mit dreiseitigem Chorabschluss im Osten. Auf einem hohen Bruchsteinsockel bauen die lisenengegliederten Ziegelsteinwände auf. Das ziegelgedeckte Satteldach ziert ein niedriger, verschieferter Dachreiter. 

Johannes von Nepomuk-Kapelle

Steinbüchel, Berliner Str. 46

Um 1400 ist in Fettehenne an der Heer- und Handelsstraße von Schwelm über Lennep nach Köln die erste Kapelle erwähnt, sie war dem Hl. Antonius gewidmet. Sie soll von den Fettehennern nach überstandener Pestepedemie aus Dankbarkeit errichtet worden sein. Um 1700 war die Kapelle so baufällig, dass sie abgerissen werden musste.  

Die Initiative für einen Neubau geht von der Witwe Katharina Katterbach aus, der von ihr zu diesem Zweck gestiftete Betrag reicht allerdings nicht aus. 1737 kann die Kapelle schließlich mit Hilfe des Landkomturs Jobst Mauritz von Droste zu Senden fertiggestellt werden, dessen Wappen noch heute über dem Eingang zu sehen ist. Eines der Buntglasfenster verweist ebenfalls auf seine Stiftung. Die neue Kapelle wird dem Heiligen Johannes von Nepomuk geweiht, der, gerade heiliggesprochenen, sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts großer Popularität erfreut. 1847 folgt eine Erweiterung an der Altarseite um 10 m. 

Der Baukörper ist ein eingeschossiger verputzter Backsteinbau mit Satteldach, auf dessen abgewalmten straßenseitigen Giebel ein verschieferter Dachreiter sitzt. Über dem Eingang das Wappen des Landkomturs Jobst Mauritz von Droste zu Senden.